Lebensgeschichte aufschreiben: Wie anfangen?

Lebensgeschichte aufschreiben:
1. Sammeln, sammeln, sammeln …

Ein leeres Heft aufschlagen und Seite um Seite, Kapitel für Kapitel die eigene Lebensgeschichte aufschreiben – das dürfte so wohl nur in den seltesten Fällen gelingen.

Beginnen Sie stattdessen zunächst damit, Ihre Erinnerung in Gang zu bringen und Material zu sammeln. Verschwenden Sie in dieser ersten Phase möglichst wenig Gedanken an Form und Struktur. Schalten Sie Ihren inneren Filter ab. Lehnen Sie sich entspannt zurück, lenken Sie Ihre Gedanken an Ereignisse aus der Vergangenheit und beobachten Sie, welche inneren Bilder entstehen. Beschreiben Sie dann, was Sie sehen, ohne sich dabei lange mit Formulierungsfragen aufzuhalten. Auch die Reihenfolge, in denen Sie Ihre Erlebnisse aufzeichnen, ist zu diesem Zeitpunkt nicht wichtig. Für diese Dinge wird später noch ausreichend Zeit sein.

In der ersten Phase geht es einzig darum, zu sammeln. Stellen Sie sich vor, Sie sind Steinmetz und möchten eine Skulptur erschaffen. Ohne ausreichend Stein wird das nicht funktionieren. Zu Beginn Ihrer Arbeit befinden Sie sich also im übertragenen Sinn im Steinbruch Ihres Lebens und schlagen mit grobem Werkzeug den Rohstoff für Ihr späteres Werk aus dem Fels.

Á propos Werkzeug: Um den empfindlichen Fluss Ihrer Erinnerungen möglichst störungsfrei in Gang zu bringen, rate ich zu Tonaufnahmen. Ob Sie dazu einen bereits vorhandenen Kassettenrekorder benutzen, ein altes Diktiergerät oder sich eigens ein Profigerät mit externem Mikrofon anschaffen, ist dabei gar nicht so wichtig. Sofern Sie keine radiotaugliche Studioqualität anstreben, brauchen Sie hier keine teuren Gerätschaften. Schon mit dem Smartphone lassen sich heute Ergebnisse erzielen, die dem Zweck der Materialsammlung völlig genügen (zu Aufnahmetechnik und empfehlenswerter Ausstattung wird es in Kürze einen eigenen Beitrag geben). Wichtiger als die verwendete Technik selbst ist, dass Sie sich damit in ausreichendem Maße vertraut machen. Nach dem Einschalten der Aufnahme sollten Sie sich gedanklich nicht mehr damit befassen müssen.

Schaffen Sie sich eine ungestörte Atmosphäre, schalten sie Ihr Aufnahmegerät ein und sprechen Sie auf Band, was Ihnen in den Sinn kommt. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass – sobald Sie sich an die vielleicht ungewohnte Situation der Aufnahme gewöhnt haben – Ihre ‚Erinnerungsmaschinerie‘ meist deutlich  besser in Schwung kommt, als wenn Sie schriftliche Aufzeichnungen machen. Dadurch, dass Sie sich nicht mit der Übersetzung Ihrer Gedanken in ausgearbeitete Schriftsprache aufhalten, lassen Sie Ihrem Gehirn mehr Freiraum. Das führt meist dazu, dass, während Sie über die eine Begebenheit reden, schon die nächste (mitunter beinahe vergessene) Erinnerung auf den Plan tritt. Heißen Sie diese assoziatitv auftretenden Erinnerungen willkommen. Möglicherweise werden Sie sich wundern, an was Sie sich plötzlich alles erinnern können…

Zudem ist Sprechen in aller Regel schneller als Schreiben. Wenn alles gut läuft, können Sie also in kurzer Zeit eine beträchtliche Menge Material zusammentragen. Das bedeutet natürlich auch, dass Sie viel Material auf Band (oder Speicherkarte) haben, das es im Anschluss zu sortieren gilt. Doch das ist schon wieder ein anderes Thema. Ja, die eigene Lebensgeschichte aufschreiben, das ist eine vielschichtige Angelegenheit… 😉

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Einen Schwerpunkt werden Tipps & Tricks rund um die Arbeit an der eigenen Lebensgeschichte oder Audio-Biografie bilden. Diese Beiträge sollen sobald sie vollständig vorliegen, eine Anleitung ergeben, die Sie von Anfang bis Ende durch die Arbeit an Ihrer Lebensgeschichte begleitet.

Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Arbeit und vor allem viel Spaß!
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