Lebenserinnerungen ordnen (1)

Wenn Ihre Materialsammlung gut funktioniert hat, können Sie jetzt gewissermaßen aus dem Vollen schöpfen. Es liegt nun eine beträchtliche Menge an ‚rohem‘ unsortiertem Text vor Ihnen. Ging es in der ersten Phase vor allem darum, Ihrem Gedächtnis möglichst viele Erinnerungen zu entlocken, ist es nun an der Zeit, die Struktur für Ihren Text zu entwickeln. Die Lebenserinnerungen ordnen, das ist gewiss sssssssssssssseine Herauforderung. Doch mit einem einfachen und erprobten System bringen Sie bald Ordnung in Ihren Text.

Wie Sie im Einzelnen vorgehen können, möchte ich nachfolgend – und in den kommenden Blogposts – beschreiben.

Hier zunächst eine Übersicht der einzelnen Arbeitsschritte:

  1. Die Abschrift des gesammelten Rohmaterials
  2. Einteilung in Sinnabschnitte
  3. Verschlagwortung der Sinnabschnitte
  4. Ordnen der Themen / Erstellen des Roten Fadens
  5. Verfassen des Textes anhand  Ihres Roten Fadens

1. Die erste Abschrift des gesammelten Rohmaterials

Sofern sie mit Tonaufnahmen gearbeitet haben, besteht Ihre erste Aufgabe nun darin, eine wortgetreue Abschrift Ihrer Aufnahmen anzufertigen.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Dies ist eine zeitaufwändige und wenig abwechslungsreiche Angelegenheit. Im Prinzip könnte man diese Tätigkeit einem Dritten (z. B. einem Schreibbüro) überlassen, was durchaus verlockend erscheinen dürfte. Dennoch empfehle ich, die Mühe der Abschrift selbst auf sich zu nehmen, denn die Mühe lohnt sich: Dadurch, dass Sie sich im Zuge dieses Arbeitsschritts jeden Satz und jedes Wort der eigenen Erzählungen ein weiteres Mal vergegenwärtigen, bekommen Sie einen guten Überblick über Ihr Material im Ganzen. Darüber hinaus werden Sie vorraussichtlich große Teile des Textes mehr oder weniger unverändert in den endgültigen Biografietext übernehmen können. Insofern ist die Abschrift mehr als nur vorbereitende Fleißarbeit. Sie wird Ihnen die weiteren Schritte erleichtern.

Zur technischen Vorgehensweise sei Folgendes gesagt: Am komfortabelsten ist die Abschrift, wenn Sie ein Abspielgerät mit Fußpedalsteuerung zur Verfügung haben, so dass Sie die Aufnahme Stück für Stück abspielen können, während Ihre Hände frei bleiben und Sie Ihr Schreibgerät – egal ob Tintenfüller, Kugelschreiber oder PC – nicht aus der Hand legen müssen. Viele (semi-)professionelle Diktiersysteme erlauben überdies das verlangsamte Abspielen der Aufnahmen, was das Abschreiben sehr erleichtern kann. Mit einem einfachen Kassettenrecorder geht’s aber – etwas weniger komfortabel – natürlich auch.

Für die weitere Bearbeitung nach dem hier vorgestellten System ist es ratsam, bei der Abschrift zweifachen Zeilenabstand einzustellen. Auch ggf. notwendige handschriftliche Anmerkungen lassen sich so besser einfügen. Je nachdem, wie geübt Sie im Maschinenschreiben sind, müssen Sie für die Abschrift mit einem Zeitaufwand rechnen, der etwa der 3-4fachen Dauer der gesprochenen Aufnahme entspricht. Und, das kann man nicht oft genug sagen: Falls Sie am PC arbeiten, speichern Sie Ihr Dokument in regelmäßigen Abständen ab und fertigen Sie von Ihrem Dokument eine Sicherheitskopie an, die Sie auf einem externen Speicher (externe Festplatte, USB-Stick, Diskette oder Cloud) ablegen. Es wäre sehr ärgerlich, wenn Sie stundenlang Ihre Lebenserinnerungen ordnen – und dann geht alles verloren, weil Sie Ihre Arbeit nicht sorgältig abgespeichert haben!

[Fortsetzung folgt]

Zum nächsten Thema: Die Lebenserinnerungen ordnen, Teil 2

 

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Einen Schwerpunkt werden Tipps & Tricks rund um die Arbeit an der eigenen Lebensgeschichte oder Audio-Biografie bilden. Diese Beiträge sollen sobald sie vollständig vorliegen, eine Anleitung ergeben, die Sie von Anfang bis Ende durch die Arbeit an Ihrer Lebensgeschichte begleitet.

Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Arbeit und vor allem viel Spaß!
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