Den roten Faden legen (1)

Den roten Faden legen (1)

Liegt nun ein ansehnlicher Stapel beschriebener Kärtchen vor Ihnen? Dann kann es ja losgehen! Doch zunächst dürfen Sie kurz innehalten und sich selbst gratulieren: Sie haben schon viel geschafft und befinden sich nun an einem (weiteren) entscheidenden Punkt Ihrer Arbeit. Indem Sie jetzt den roten Faden durch Ihre Erzählung(en) entwickeln, erstellen Sie zum Einen den Fahrplan für die die konkrete Arbeit a Ihrem Text. Zum Anderen legen Sie mit der Erzählreihenfolge die Dramaturgie Ihres Textes fest. Hier kann sich entscheiden, ob Ihr Buch seine zukünftigen Leser wird fesseln können – oder eben nicht.

Lassen Sie uns konkret werden: Praktisch geht es darum, die Themen, die Sie auf Karteikarten festgehalten haben, in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch was heißt das? Was ist die richtige Reihenfolge für Ihre Lebenserinnerungen?

Als erstes kommt Ihnen vermutlich die chronologische Abfolge der Ereignisse in den Sinn. Die Themen und Erlebnisse Ihres Lebens von Ihrer Geburt bis in die Gegenwart hinein in genau der Reihenfolge widerzugeben, in der sie tatsächlich aufeinander gefolgt sind, ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten, seine Lebenserinnerungen anzuordnen. Ein Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass der Leser kaum Gefahr laufen dürfte, den Überblick zu verlieren. Er kann den vorgetragenen Entwicklungen gut folgen und hat alle wichtigen Fakten und Ereignisse von Anfang an in der korrekten Abfolge vor sich.

Aber: Manche Entwicklungen im Leben gehen nur langsam vor sich, während sich in anderen Phasen die Ereignisse in kürzester Zeit geradezu zu überschlagen scheinen. Hält man sich mit dem Nacherzählen seiner Lebensgeschichte zu starr an die Chronologie der Ereignisse, kommt häufig kein guter und flüssiger Erzählrhythmus zustande. Leicht können Durststrecken entstehen, durch die sich der Leser hindurchquälen muss. Dann wieder können Abschnitte folgen, die im schlechtesten Fall so überfrachtet sind, dass die geschilderten Ereignisse für einen Außenstehenden kaum mehr nachvollziehbar sind. Um einen spannungs- und abwechslungsreichen Erzählbogen zu entwickeln, kann es daher sinnvoller sein, mehr wie ein Dramaturg oder Regisseur zu arbeiten und weniger wie ein Chronist. Doch was heißt das in der Praxis?

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